RUFUS DER ROBOTER
Leseprobe

Ein modernes Märchen
von
Thelmo BeThink

Irgendwann, wurde es hell um ihn herum, dachte er angestrengt nach, aber das war schon lange her. Wie lange, wann war das bloß? Er wußte auch, seit er an war, also seit er denken konnte, war er schon fünf mal aus. Aber wann war das bloß?
Seinen Namen den kannte er. Er war "RUFUS". Er war Rufus ein Roboter, wie ein Roboter so sah er auch aus. Seiner Meinung nach "einmalig super gut". Er war Stolz auf sich selbst. Zwar sah er nicht so aus wie ein Mensch, er war nämlich ein ganzes Stück größer, hatte drei Arme, mit einer Mülltonne auf Rädern große Ähnlichkeit, war außerdem aus Kunststoff und Metall, aber als Roboter war er einfach "einmalig super gut"
Noch etwas wußte er. Er war sehr wichtig. In dem Teil der Welt, den Rufus bis jetzt kennen gelernt hatte, war er allein, das wichtigste das es gab.


Seit Rufus denken konnte, waren immer viele Menschen um ihn herum. Sie hatten ihn zusammengebaut, an ihm gearbeitet und mit ihm gesprochen. Sprechen, ja richtig, sprechen konnte Rufus auch. Oft hatte er sich auch mit anderen Maschinen und Computern unterhalten. Nein, nicht so, daß man es gehört hätte, nein nein das war voll elektronisch. Dabei hatte er, Rufus, so viel gelernt, daß er meinte alles zu wissen, was es zu wissen gab.
Das dachten dann wohl auch die Techniker, so nannten sich seine Freunde, die Menschen nämlich, die immer um ihn waren.

Heute ist der Tag an dem Rufus der Roboter endlich fertig geworden ist, verkündet der Chef und Obertechniker Professor Habermüller seinen versammelten Kollegen, Fernsehleuten und Presse-Journalisten. "Wir haben es geschafft. Wir haben den besten und intelligentesten Roboter aller Zeiten gebaut." Sagte er in seiner Rede, und dankte allen die ihm geholfen hatten und schaltete Rufus endgültig am großen Hauptschalter unter der Klappe am Rücken ein.

Rufus wurde zum sechsten mal wach, überprüfte alles was es in ihm und um ihn zu überprüfen gab und meldete dann laut und deutlich über seinem Lautsprecher "alles o.k.". "Hurra, Hurra, Bravo, Super, Hurra-Hurra", riefen da alle vor Freude durcheinander. Schließlich drängten sie sich dicht in einem Kreis um Rufus, der mit Professor Habermüller auf einem mit Tischen und Blumen geschmückten Podest stand. Die Fotografen knipsten Bilder von jeder Bewegung die sie bei Rufus erkennen konnten. Jeder drängte und schob so weit es nur ging nach vorne, denn jeder versuchte den sagenhaften Roboter Rufus ganz genau zu sehen, oder sich sogar mit im zu unterhalten, so daß er ein kleines Kunststück vorführte. Jawohl ein wenig von dem zeigen was er konnte, das sollte er auch heute.

Der Spaß für alle war um so größer, je mehr Menschen sich über ihn freuten. Er fabrizierte einen Handstand auf einen seiner drei Arme. Jonglierte mit zehn rohen Eiern gleichzeitig, ohne daß eines davon zerbrach. Malte die schönsten Bilder auf eine Tafel. Löste die schwierigsten Rechenaufgaben und spielte so ganz nebenbei gegen alle Anwesenden eine Partie "Mensch ärger dich nicht". Das war ein Fest, es gab jede Menge zu Essen, zu trinken und zu knabbern, natürlich als Mittelpunkt mit immer neuen Späßen von Rufus dem einmaligen Roboter.

Doch plötzlich schien der ganze Zauber vorbei. Was war das? Rufus stand stocksteif da, keiner seiner Rollenfüße bewegten sich , kein Arm zuckte, keine Lampe leuchtete mehr auf, auch sein kleiner Bildschirm der schräg unter seinem drehbarem Kopf angebracht war wurde dunkel.

Rufus traute seinen beiden Kameraaugen kaum. Was er da sah, hatte er noch nie gesehen. Zwischen den Leuten die um ihn herum standen, hatte er einen kleinen Menschen entdeckt. Einen Menschen der so klein war, daß es ihn eigentlich gar nicht geben dürfte. Wie sonderbar der aussah, blonde Haare die zu Zöpfen gebunden waren, ein wunderschönes Gesicht und mitten drin eine kleine Stupsnase. Ja und alles er vorhin wieder einmal einen Drehhandstand auf einer seiner Finger vorgeführt hatte, quietschte dieser sonderbare kleine Mensch so laut und so hoch, wie es einfach nicht in seinen Gehirnspeicherbänken zu finden war. Genau in diesem Moment, hatte er auch dieses quiekende und in den höchsten Tönen lachenden Geschöpf zum ersten mal entdeckt. Es mußte also mit der Frau im roten Kleid neben ihm gekommen sein, denn die hatte er zuvor auch noch nie gesehen, ja die beiden hielten sich sogar an den Händen. Vielleicht hatte er etwas falsch gemacht und schaltet sich vorsichtshalber erst einmal ab, bis auf seine Kameraaugen natürlich, durch die sah er ihn auch jetzt noch, diesen viel zu kleinen und jetzt ungeduldig zappelnden Menschen. Alle Anderen hatten inzwischen gemerkt, daß irgend etwas mit Rufus nicht stimmte und standen deshalb stumm und genauso stocksteif wie er. Was jetzt nur? Nun war guter Rat teuer?

Er Rufus der beste und gescheiteste Roboter aller Zeiten wußte nicht mehr was er unternehmen sollte, denn denken konnte er noch aber bewegen......ach ja "genau" das durfte er ja auch gar nicht , das hatte man im beigebracht, als man noch an ihm arbeitete. "Falls irgend etwas unvorhersehbares passiert, etwas das du nicht in deinem Gedächtnis hast, schalte dich ab, bevor du dich oder Menschen in Gefahr bringst." So hatte er die Worte von Professor Habermüller in Erinnerung. Das war's, jetzt war er abgeschaltet. Jetzt konnte er nur noch warten. "Sabine?" war das erste Wort, das in die Stille hinein gesprochen wurde. "Sabine, was machst du den hier," fragte Professor Habermüler erstaunt, und blickte dabei in Richtung dieses Dreikäsehoch. Dann stellte er sich noch einmal neben Rufus auf das Podium und hielt zum zweitenmal an diesem Tag eine Rede. So wie es aussah hatte er nämlich als einziger erkannt, was mit Rufus los war. "Meine Damen und Herrn", begann er laut. "Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, daß Rufus vielleicht kaputt gegangen wäre oder sogar fehlerhaft, wie sie vielleicht glauben. Nein, der Fehler liegt bei mir. Alle schauten sich erstaunt an. Ich habe vergessen Rufus beizubringen was ein Kind ist. Ich habe ihm nie etwas über Kinder erzählt." Ja, wie konnte ihm so etwas nur passieren. An soviel hatte er und seine Kollegen gedacht, doch an Kinder . Nein nein nein das mußte er sofort ändern.

Er öffnete die Klappe die unter dem kleinen Bildschirm an Rufus Bauch angebracht war und tippte schnell ein paar Zahlen und Buchstaben mit der Tastatur ein. Kinder sind im allgemeinen kleiner als Erwachsene, Babys sind die kleinsten, die müssen sogar erst einmal laufen und sprechen lernen. Später sehen sie ähnlich aus wie Sabine und müssen die Welt erst noch kennenlernen, so wie er fügte Professor Habermüller hinzu. "So das war es auch schon fürs erste," murmelte der Professor. Drückte noch auf einen grünen Knopf und Rufus bewegte sich wieder. Endlich konnte das Fest weitergehen. Alle unterhielten sich wieder, tranken, aßen oder schauten Rufus bis zum späten Abend zu. Aber so vergnügt wie Sabine und Rufus waren alle Menschen zusammen nicht, und das gefiel Rufus natürlich ganz besonders.

Die sechste Tag

Während der Nacht hat Rufus alleine im Labor auf den Morgen gewartet. Es war eine ausgesprochen schlechte Nacht für ihn gewesen.
Bevor Professor Habermüller gestern ging, hatte er ihn noch unheimlich neugierig gemacht. "Morgen früh werden wir gemeinsam deine neue Fabrik anschauen," sagte er.
"Wieso meine Fabrik," fragte Rufus. "Na ja, die wurde nur für dich gebaut. Da darfst du dann zeigen was du noch alles kannst außer Handstände." "Was darf ich da machen," wollte Rufus noch wissen. Doch der Professor sagte nur noch geheimnisvoll. "Das erfährst du morgen von mir." Dann löschte er das Licht und ging zum Schlafen nach Hause.

Das war es gewesen, was Rufus so beunruhigte, denn er selbst braucht ja nie Schlaf. Deshalb hatte er die ganze lange Nacht Zeit, zum Nachdenken. Was er wohl in einer Fabrik sollte. Er selbst war doch schon fertig, also sollte er irgend etwas machen, aber was? Darauf kam er beim besten Willen nicht. Außerdem drehten sich seine Gedanken immer wieder um Sabine, sie war so anders als die Erwachsenen Menschen. Außerdem hatte sie ihn, Rufus den einmalig super guten, schönsten, größten Roboter zu ihrem Freund erklärt...

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